Freundschaftskreis Tonbridge & Malling e. V.

Eine Reise nach East-Anglia 2014

Heusenstamm – East Anglia – das ist auch für erfahrene England-Touristen eine eher unbekannte Region. Dabei stammen der Name und die Ur-Einwohner aus dem deutsch-dänischen Grenzgebiet und gaben vor Urzeiten dieser Landschaft ihr Gepräge. Dies erfuhren knapp zwei Dutzend Heusenstammer vom „Freundschaftskreis Tonbridge & Malling“, die zusammen mit englischen Freunden aus dem „Heusenstamm Friendship Circle“ auf einwöchige Erkundungsreise gingen. Zum Auftakt gab es in Tonbridge einen stimmungsvollem „Get-together-Abend“, zu dem auch manche der englischen Mitglieder gekommen waren, die nicht mit auf die Busreise gingen. Stolz waren die Veranstalter vor allem, dass immerhin vier der ehemaligen Bürgermeisterinnen von Tonbridge & Malling zu diesem Abend erschienen waren. 

Fröhliche Gesichter und Gespräche beim „Get-together-Abend“ zum Auftakt (Bild: Inga Ubenauf)

Herrenhäuser von sehr unterschiedlicher Art und herrliche Parks waren die hauptsächlichen Zielpunkte der Fahrt. Standquartier wurde in einem Hotel in Ipswich bezogen. Die Wallanlagen und der Buttermarket dieser Stadt entpuppten sich allerdings schnell als moderne Shoppingcenter. Doch allein die Fahrten durch die hügelige Landschaft und über oft enge Strassen entschädigten für solche Entdeckungen. Viele der britischen Herrenhäuser und Parks sind heute im Besitz des „National Trust“, eine gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Erhaltung und Pflege historischer Stätten einsetzt – dafür aber auch von den Besuchern happige Eintrittspreise verlangt. „Blicking Hall“ ist so ein typisches Beispiel. In seiner über tausendjährigen Geschichte hat es zwar mancherlei Wandlungen erlebt und wurde immer wieder auch umgebaut, doch die Räume und Gemälde strahlen die Pracht der Historie bis heute aus. Die über 1900 Hektar grosse Parkanlage um das schlossähnliche Gebäude zeugen von der britischen Gartenkunst und bieten eine Vielzahl von typischen kleinen Überraschungen. Dass dieses Anwesen während des zweiten Weltkriegs der Britischen Luftwaffe als Stützpunkt diente, wird in einem kleinen Museum eindrücklich dokumentiert.

Die Organisatoren der Reise vom „Heusenstamm Friendship Circle“ hatten jedes Detail hervorragend vorgeplant und konnten im Bus dann auch jeweils auf die bevorstehenden Highlights hinweisen. Beim Besuch vom „Ickworth House“ zeigte sich dann einmal mehr, dass die Bezeichnung „House“ eine der (typisch britischen?) Untertreibung geschuldet ist. Das Anwesen ist einem herrlichen Park mit mehreren jeweils zwischen 3,2 und 6,4 Kilometer langen Rundwegen entpuppte sich als ausgreifender zweiflügeliger Palast mit einer Rotunde im Zentrum. Auch hier ist der „National Trust“ Hausherr und hat den Ostflügel an eines der acht englischen „Luxury Family Hotels“ abgetreten. Manche der deutschen Teilnehmer benutzten die Kaffeepausen, um die landestypischen Spezialitäten wie Scones und Clotted Cream zum Tee zu probieren.

Nicht im Besitz des „National Trust“ sondern seit rund 400 Jahren in Privathand ist das „Syon House“ am Rande von London. Es gab hier sogar eine Beschreibung der Salons und Gallerien in deutscher Sprache (allerdings mit den belgischen Nationalfarben und der nachdrücklichen Behauptung der Bediensteten, das sei „German“). Manches in diesem prunkvollen Gebäude stellte sich bei näherer Besichtigung dann als „Sparversion“ des in den 1760er Jahren mit der Ausgestaltung des Hauses beauftragten Robert Adam heraus. So zum Beispiel „echte“ Marmorsäulen aus Italien, die den Auftraggebern versprochen wurden, sich dann aber nur aus um den Kern herum mit Marmorteilen verzierte Säulen entpuppten…

 Wintergarten von Syon House (Bild: Inga Ubenauf)

Ganz anders dagegen der Besuch der „Anglesey Abbey“ – denn hier war von der namengebenden Abtei nichts mehr zu sehen. und Schafe. Das Anwesen mit herrlichem Park und einer noch klappernden Mühle war, ohne das er es je gesehen hatte, von einem dreissigjährigen Sohn einer reichen amerikanischen Ölfamilie erworben und dann nach und nach zu einem typischen englischen Lebensraum gestaltet. Dass der Chauffeur der Anglesey Abbey täglich frühmorgens mit dem historischen Rolls Royce des Lord Fairhaven ausfuhr um die Tageszeitung zu holen, wird bis heute in den Broschüren vermeldet.

Ganz anders präsentierte sich das Städtchen Lavenham den Besuchern. Einst Zentrum der Woll-Verarbeitung galt es im 15./16. Jahrhundert als reichster Ort weitum. Die grosse Kirche des kleinen Ortes entstand daher auf einem Hügel am Rande der Siedlung und viele Häuser im typischen Tudor-Fachwerkbau dokumentieren bis heute den früheren Woll-Wohlstand. Ein liebevoll herausgeputztes Museum zeigt viel vom vergangenen Handwerk und den dafür benutzten Gerätschaften.

 

Fachwerk-Überbleibsel aus dem Woll-Wohlstand des Städtchens Lavenhamm (Bild: Inga Ubenauf)

Einen besonderen Höhepunkt der Reise stellte der Besuch der „Norwich Cathedral“ dar. In mehreren kleinen Gruppen durch das Gotteshaus geführt, wurden Bau und Geschichte lebendig.Romanisch der Beginn im 11.Jahrhundert, dafür aus Frankreich Säulen herangefahren, die am Ursprungsort bereits fertig behauen wurden – das allein grenzt in heutigen Vorstellung an ägyptischen Pyramidenbau. Nahtlos wurden später die romanischen Holzdecken durch weit schwingende gotischen Bögen ersetzt, die dem Bau bis heute eine besondere Note verleihen. Der grosse Innenhof desKreuzgangs war zu Firlm- und Fernsehaufnahmen in einen alten Klostergarten zurückverwandelt worden, mit Kräuter- und Gemüsegarten sowie Gatter für Hühner.

4. Norwich-Cathedral mit den gotischen Bögen auf dem romanischen Grundbau (Bild: Inga Ubenauf)

 

Nebenher lernten die East-Anglia-Touristen, dass sich dieser Landstrich in die drei Counties Norfolk, Southfolk und Essex teilt, und sich nicht nur East Anglia sondern eben auch England sprachlich auf die Einwanderer aus Angelland und Sachsen zurückführt. Am Ende der Reise empfanden alle das, was einer der Redner zu Beginn beim „Get-together-Abend“ ausgesprochen hatte: „Es ist schön, Mitglied in zwei Vereinen zu sein, deren Sinn es ist, Freundschaft zu pflegen“.

 

 

 

 
 
Norwich-Cathedral mit den gotischen Bögen auf dem romanischen Grundbau (Bild: Inga Ubenauf)

Mehr Bilder der Reise gibt es hier zu sehen

Zum Start der Gruppe wurde noch ein Video in Tonbridge gedreht:

Freundschaftskreis Tonbridge & Malling e. V. Heusenstamm | ulihoeffken@aol.com